Der Palmengarten um 1913

Der Palmengarten

Am 17. Mai 1913 werden im Palmengarten die ersten zwölf Palmen präsentiert. Damit beginnt die einmalige Erfolgsgeschichte von Nordeuropas größter Palmenfreianlage. Damals wie heute vermittelt dieser bedeutende Sondergarten den Besuchern das Gefühl, sich am Mittelmeer zu befinden und kann so die „Sehnsucht nach dem Süden“ befriedigen.  Inzwischen werden auf 5000 qm über 500 Kübelpflanzen in mehr als 40 verschiedenen Arten sowie über 30.000 Frühlingsboten und 20.000 Sommerblumen in immer neuer Gestaltung gezeigt. Die älteste Palme „Leo“ ist vermutlich mehr als 300 Jahre alt, die größte kommt auf über 10 m Höhe und wiegt rund 8 Tonnen.

Werner Dirks übernimmt 1907 unter dem letzten Fürsten Friedrich die gärtnerische Verantwortung für den Kurpark. Bereits damals muss Dirks die Idee eines Palmengartens gehabt haben, denn schon 1909 wurde das erste Palmenhaus gebaut. Dies deutet darauf hin, dass Werner Dirks große Ideen hatte. In der Tat besaß der Sohn eines renommierten Hofgartendirektors Vorstellungen von einer Erweiterung des Pyrmonter Parkgeländes. Als Künstler, der in Frankreich und in Italien längere Zeit ausschließlich mit dem Malen beschäftigt war, hatten seine Gedanken längst den heimischen Raum des verlassen. Die Sehnsucht nach dem Süden veranlassten ihn, im Jahr 1911 den Kunsthandelsagenten Ludwig Winter in Bordighera, einem Ort an der italienischen Riviera zwischen Nizza und San Remo, zu besuchen. Ludwig Winter war auch ein erfahrener Händler von gezüchteten Phönix-Dattelpalmen und Werner Dirks erwarb bei diesem Besuch 12 stattliche Exemplare, die etwa drei Meter Höhe besaßen. Sie mussten in Kübel gesetzt werden und konnten erst ein Jahr darauf nach Bad Pyrmont geliefert werden. Am 17. Mai 1913 war dann folgendes in der „Kur- und  Fremdenliste“ zu lesen: „In den sogenannten Französischen Anlagen sind 12 herrliche Phönixpalmen, wahre Prachtexemplare, die unser Hofgartendirektor Werner Dirks im vorigen Jahr in Italien gekauft hat, zur Aufstellung gekommen“.

Diese Palmensammlung wurde nun im Lauf der nächsten Jahre um Palmen aus der Schlossgärtnerei Arolsen, aus den Anlagen von Schloss Schaumburg sowie um Geschenke des Großgrundbesitzers Waldemar von Böttiger, der seine hochgewachsenen Palmen nicht mehr in seinen Gewächshäusern unterbringen konnte, erweitert. So war es dann auch während des 1. Weltkrieges: Palmen in Privatbesitz waren in den Winterjahren in großer Gefahr, weil wegen der allgemeinen Kohleknappheit die Gewächshäuser nicht mehr beheizt werden konnten – insofern gab es in Pyrmont viele Angebote, gefährdete Palmen zu übernehmen. Fürst Friedrich beauftragte seinen Hofgartendirektor mit dem Ankauf vieler Palmen, die Zahl wuchs in jener Zeit beträchtlich. Die Illusion südlicher Atmosphäre wird 1916/17 gesteigert durch zusätzliche reiche Bepflanzung mit Blumen. Auch in der Zeit danach nimmt in diesem Sondergarten die Zahl der exotischen Pflanzen zu.

Werner Dirks versteht es, in den Jahren zwischen 1928 und 1931 das Bild des Palmengartens weiter zu perfektionieren. Große Gestelle für Hainbuchenhecken an der Nord- und Südseite verbreitern das Gelände und erhöhen den Kulissencharakter. Der Zypressenweg begrenzt die Palmenfläche im Osten, auch wenn es nicht die frostempfindlichen Zypressen, sondern Wacholderpflanzen waren, die den südlichen Eindruck hervorrufen sollten. In dieser Zeit werden auch die 4 Becken angelegt, die mit ihrem Wasserspiel und dem leisen Plätschern von Fontänen die optische wie akustische Wahrnehmung noch steigern – man hat das Gefühl, weit entfernt von zu Hause in einem Paradies, in einer Oase, in einem fernen Kulturkreis angekommen zu sein. Tatsächlich  wurde 1935 in diesem exotischen Umfeld der Film „ Die Heilige und der Narr“ gedreht, eine Peter-Ostermeyer-Produktion mit Hansi Knoteck, der eigentlich an der Riviera spielte. Diese Illusion einer südlichen Welt war nur  Werner Dirks zu verdanken. Er feilte an jedem Detail, um aus den Französischen Anlagen einen „mit Palmen, Zypressen, Orangen, Granaten, Myrthenbäumchen und anderen subtropischen Bäumen sowie mit Fontänen reich ausgestatteten Garten, der an die besten Gartenschöpfungen der Renaissancezeit erinnert und in seiner Art einzig in Deutschland ist“(Dirks 1936), zu gestalten.

In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich der Palmengarten mehrfach. Die schon unter Trip entstandenen Rosenpavillons wurden genauso entfernt wie auch ein Teil der Hainbuchen-Hecken und die Buchshecken an den Brunnen-Beeten. Die Brunnen wurden rund eingefasst mit einer begehbaren Sandsteinkante, der viereckige Brunnen phasenweise zugeschüttet. Die Holzspaliere zwischen den Säulen wurden entfernt.

Der Palmengarten ist bis heute einer der wichtigsten Elemente des Gartenkunstwerkes Kurpark Bad Pyrmont. Dieses bekräftigt auch das Parkpflegewerk. So unterliegen die Anlagen einem kontinuierlichen Prozess der Erneuerung. So konnten 2013 zum hundertjährigen Jubiläum die beiden Rosenpavillone nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Wolfgang Wette wieder aufgebaut werden. Die Zypressen-Allee wurde letztmalig 2015, nun mit Leyland-Zypressen, erneuert und der „Palmenhain“ im westlichen Teil des Palmengartens durch die Landschaftsarchitekten Kortemeier und Brokmann neu gestaltet.

Die „Väter“ des Palmengartens

Ein Garten wird zum Garten durch seine Gestalter. Zwei wesentliche Architekten des Pyrmonter Kurparks sind der Gartendirektor Julius Trip und der Hofgartendirektor Werner Dirks. Beide wurden vom letzten Fürsten Friedrich zu Waldeck-Pyrmont mit Um- und Erweiterungsgestaltungen beauftragt. Diese bezogen sich auf die Areale rund um die Alleen sowie östlich und nördlich der Schlossgraft. Besonders Dirks hat das heutige Bild dieses prämierten Kurparks durch seine rund 40-jährige Schaffenszeit geprägt.

Gartendirektor Julius Trip

(17. Mai 1857-18. September 1907)

Gartendirektor Julius Trip wurde am 17. Mai 1857 in Wermelskirchen geboren. Von 1876 bis 1878 besuchte Trip nach einer Gärtnerlehre in Roßkothen die Königliche Gärtnerlehranstalt Wildpark Potsdam. Nach verschiedenen Tätigkeiten in Düsseldorf, Trier und München (Schlosspark Nymphenburg) war er von 1881 bis 1888 Obergärtner der Parkanlagen bei Freiherr von Cramer-Klett auf Schloss Hohenaschau und von 1888 bis 1890 bei Freiherr Riederer von Paar in Schönau (Rottal). Schließlich kam er 1890 als Stadtgärtner nach Hannover, dem Wirkungsort seiner letzten Lebensjahre. Schnell stieg er über den Stadtgarteninspektor (1892) zum Gartendirektor Hannovers im Jahre 1897 auf.

Trip engagierte sich insbesondere für die Stadtverschönerung Hannovers. Auf seine Initiative wurde ein Grünflächenausschuss gebildet und eine eigenständige Gartenverwaltung gegründet. Vor allem die Neugestaltung von städtischen Plätzen und Grünanlagen, die Anpflanzung von Alleen in Stadtstraßen und die Begrünung von Schulhöfen gehen auf seine Schaffenszeit zurück. Hauptwerke Trips sind die Gestaltung des Maschparks hinter dem Neuen Rathaus und die Erweiterung des Stadtfriedhofes Stöckens zum Parkfriedhof.

Ab 1903 war Trip Privatdozent für Gartenkunst an der Technischen Hochschule Hannover. Im gleichen Jahr wurde er von Fürst Friedrich zu Waldeck-Pyrmont beauftragt, den Pyrmonter Kurpark zu erweitern. Auf seine Planungen gehen die Neuanlage eines Minigolf-Platzes, die Gestaltung der Tennisplätze sowie die Neugestaltung der Malerteiche zurück. Auch die Lage des heutigen Palmengartens basiert auf den ersten Gestaltungen von „Französischen Anlagen“ von Julius Trip. Bevor er seine Ideen vollständig umsetzen konnte, verstarb Julius Trip überraschend im Alter von nur 50 Jahren am 18. September 1907 in Hannover.

Nun übernahm Werner Dirks die Verantwortung für den Kurpark und vollendete nicht nur die Pläne von Trip sondern überarbeitete insbesondere die Malerteiche und legte den Grundstein für den heutigen Palmengarten.

Hofgartendirektor Werner Dirks

(13. Februar 1867-22. März 1957 )

Hofgartendirektor Werner Dirks wurde am 13. Februar 1867 in Ohr bei Hameln geboren. Er war der Sohn des renommierten Landschaftsgärtners Friedrich Dirks.

Im Jahr 1867 holte Fürst Georg Viktor zu Waldeck und Pyrmont den Vater nach Pyrmont, um ihn als Gärtner mit der Pflege und Gestaltung von Park und Schlossgarten zu beschäftigen. Damals wohnte die Familie in dem kleinen, aus der Barockzeit stammenden Haus in der Schlossstraße / Ecke Zimmermannstrasse. Werner, das älteste von 5 Kindern des Hofgärtners, ging nach dem Besuch der Stadtschule bei seinem Vater in die Lehre. Schon im Alter von 20 Jahren, im Jahr 1887, erhielt er die gärtnerische Aufsicht über den Park von Schloss Schaumburg bei Diez an der Lahn. Während seiner Aufgabe im hessischen Diez, Pläne für eine grundlegende Umgestaltung zu entwickeln, studierte er im „Frankfurter Städel“ Landschaftsmalerei und war in der Tat versucht, seinem Talent als bildender Künstler eher zu folgen als dem des Hofgärtners. Werner Dirks folgte dann aber doch dem Ruf des Fürsten Friedrich zu Waldeck-Pyrmont nach Arolsen, um hier die Hofgärten zu betreuen. Im Jahre 1907 berief ihn eben jener Fürst Friedrich nach Pyrmont, um Pläne für das Kurgelände zu entwickeln. Bad Pyrmont wird seine Lebensaufgabe werden – nicht nur wegen der Anlage des Palmengartens oder des Bergkurparkes.

Er entwickelt hier seine Vorstellung einer „Bildergalerie“, die  auf ganz besondere Art als Landschaftsgemälde mit unendlich vielen Aspekten die Empfindung und Seele des Betrachters, des Kurgastes ansprechen wird. Ziel ist ein harmonisches Gesamtbild, ein Bild mit Durchblicken, Sichtachsen und Bühnenelementen. “Grünanlagen im Kurort sollen besonders auf die Psyche der Heilungssuchenden einwirken und dadurch die Heilkraft der Quellen unterstützen. Ein Kurort ohne Park gleicht einem Körper ohne Seele, einem Kern ohne Schale, und würde eines wichtigen Heilfaktors, als welcher ein Park im ethischen Sinne angesprochen werden muss, ermangeln.“ Und weiter unten in Dirks Beitrag zum Kurpark in einer Schrift aus dem Jahr 1933 liest man: „Entrückt dem lebhaften und geschäftigen Treiben der Straße, findet der Kurgast hier das, was zur Gesundung seines Körpers und seiner Seele beiträgt.“ So entsteht der traumhafte Palmengarten, wird der barocke, von Alleen geprägte Park überformt und von 1932-1935 mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienstes der Bergkurpark seitlich der Bombergallee angelegt.

Für diese Verdienste wird Werner Dirks an seinem 70. Geburtstag, im Jahr 1937 zum Ehrenbürger der Stadt Bad Pyrmont ernannt. Im Alter von 90 Jahren starb er in seiner Heimatstadt Bad Pyrmont.

 

Text: Dieter Alfter, Michael Mäkler

Fotos / Grafiken: Archiv Staatsbad Pyrmont

Quellen: Archiv Staatsbad Pyrmont, Parkpflegewerk Kurpark Bad Pyrmont, Museum Stadt Bad Pyrmont, „Ein heiterer Platz der Freude (Garfs)

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